Abgrenzung zu den großen Optiker-Ketten

Annette Lampen Augenoptikfachgeschäft

Wieder mal ein sog. Optiker-Check zur besten Sendezeit, diesmal auf Sat.1. Allerdings wurden von den 11.280 augenoptischen Fachgeschäften nur die 6 umsatzstärksten Unternehmen verglichen, so dass es richtigerweise OptikerKETTEN-Check hätte heißen müssen, weil ausschließlich Filialisten – stationäre, Omnichanel und Online-Anbieter – getestet wurden, die sich allesamt über den billigsten Peis profilieren wollen und von denen man gar keine Qualität erwarten sollte. Jüngstes Beispiel: Ein 9,- € Angebot für eine komplette Brille bekomme ich gerade auf Facebook angezeigt, während ich das hier schreibe. Man denke auch an die Perversion, bei „2 Brillen für 129,- €“ von „PREMIUM (!) Brillen“ zu sprechen. Dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, mit solchen Brillen überhaupt vernünftig sehen zu können, liegt auf der Hand und wird wieder einmal durch diesen Test belegt: 6 von 9 Brillen waren gem. dem vereidigten Sachverständigen untauglich. Und das, obwohl es sich hier um offensichtliche Testkäufe handelte, die von einer Kamera begleitet wurden. Es ist also reine Glückssache, eine Discountbrille zu ergattern, mit der man wirklich gut sehen kann. Das kommt Einem dann doch in jeder Hinsicht teuer zu stehen.

Dieses vernichtende Urteil ist völlig nachvollziehbar, wenn man miterleben konnte, mit welchen vorsintflutlichen Techniken teilweise versucht wurde, die Brillengläser „Pi mal Daumen“ zu zentrieren, wozu heutzutage ein Videozentriersystem Standard sein sollte. Doch statt zeitgemäße Messgeräte anzuschaffen, investiert man aus einleuchtenden Kostengründen lieber in personaleinsparende Internetlösungen, so dass die Testkäuferin in einer Filiale unversehens von der Bedienung verlassen wird und per Videochat eine Ferndiagnose über ihre Sehschwäche durchgeführt wurde. Beim nächsten Internethändler unternimmt sie danach den lächerlichen Versuch, am heimischen Laptop selbst zu ermitteln, welche Werte ihre Brillengläser haben müssen, indem sie den Anweisungen des Internetanbieters folgt: Schuhe ausziehen, Schuhgröße angeben, so und so viele Schritte zurückgehen, um dann einen Sehtest auf dem Tablett zu versuchen. Eine Lachnummer.

Aber zum Lachen sollte einem nicht zu Mute sein, denn immerhin vertrauen viel zu viele Menschen darauf, dass auf diese Weise Werte ermittelt werden, mit denen sie vernünftig sehen können, ohne Kopfschmerzen zu bekommen oder sich im Blindflug in den Straßenverkehr zu stürzen. Das könnte zumindest Einiges erklären, was man im Straßenverkehr beobachten muss. 😉

Aber selbst die Preise sind im Praxistest gar nicht so hammermäßig gewesen, wie die Werbung immer suggeriert: Zwischen 89,- und 180,- € wurden im Endeffekt für alle einzeln berechneten Komponenten fällig, einmal waren es allein 49,95 € nur für die Einarbeitung der auf den ersten Blick super billigen Gläser.

Zum Vergleich: Bei uns kosten Einstärkengläser von Rodenstock 98,- € und besonders dünne und stabile sog. 1,6-er Gläser mit besseren optischen Eigenschaften 148,- € und mit zusätzlichem Lotuseffekt 184,- € all inclusive mit ausführlicher Anamnese, Bedarfs- und Sehanalyse mit allen Messungen bspw. mit unserem DNEye-Scanner, zertifizierter, fachkompetenter Beratung durch ausgebildete Augenoptiker hinsichtlich der bedarfsgerechten Gläser- und Fassungsauswahl, unter Berücksichtigung modischer Aspekte und einer Typ- und Stilberatung, Zentrierung mit dem neuesten Rodenstock Videozentriersystem, Fertigung der Brille in unserer Meisterwerkstatt, ergonomische Brillenanpassung und Beratung über die richtige Brillenpflege für eine lange Lebensdauer. Selbstverständlich geht der weitgehend kostenlose Service auch nach dem Kauf während der gesamten Tragezeit der Brille weiter. Das alles führt dazu, dass Ihr eine Brille erhaltet, mit der Ihr über Jahre garantiert gut sehen könnt, was zudem durch umfassende Herstellergarantien verbrieft ist.

Gestern erst war noch wieder jemand bei uns, der bei Pro Optik im Kreis Gütersloh eine Einstärken-Brille gemacht bekam, mit der er nur äußerst undeutlich sehen kann, wobei ihm schwindelig und schlecht wird. Entgegen dem Verhalten vor laufender Kamera, wollte man diese Probleme nicht beheben, sondern allenfalls den Kauf rückgängig machen. Offensichtlich waren hier die beschriebenen Unzulänglichkeiten beim Sehtest und beim Zentrieren die Ursachen, was einfach nicht passieren darf. Grundsätzlich kann jeder traditioneller Augenoptiker mit einer Standardausstattung gewährleisten, dass diese einfachen Anforderungen erfüllt werden. Es geht hier lediglich um eine simple Einstärkenbrille, nicht um eine viel kompliziertere Gleitsichtbrille oder den Ausgleich von individuellen Sehproblemen mit Prismen o. a.

Die Erkenntnis kann nur sein: Wem Sehen wichtig ist, sollte diese ganzen Ketten meiden und gleich zum mittelständischen Augenoptiker vor Ort gehen. Die Augenoptiker/innen stehen seit Jahren an der Spitze der vertrauenswürdigsten Berufe und bleiben das hoffentlich, wenn sie nicht gleichgesetzt werden mit Billiganbietern. Denn die 10 größten Unternehmen machen die Hälfte des Umsatzes in der augenoptischen Branche und haben somit leider einen wesentlichen Einfluss auf das Erscheinungsbild aller 12.280 Augenoptiker/innen, die zum allergrößten Teil hervorragende Arbeit leisten.

Hier eine kritische Zusammenfassung des Sat.1-Tests:
Sat.1 testet Optikerketten

In der Sat.1 Mediathek kann man sich den ganzen Filmbericht anschauen, wenn man sich dort anmelden mag:
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